Der Letzte macht das Licht aus…
Früher bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es in den Städten und Dörfern den Nachtwächter. Der Nachtwächter sorgte für Ruhe und Ordnung und warnte die Bürger vor Feuer und Feinden. Er war auch derjenige der die Trunkenbolde nach Hause trieb und hatte sogar das Recht, verdächtige Personen anzuhalten, zu befragen und zu verhaften.
Ja, so ein Nachwächter wusste viel … sehr viel (was sich so in der Stadt tut und wer wieder Streiche oder Böses gemacht hatte).
Seit über 10 Jahren gibt es in Ebernburg historische Stadtführungen mit dem Nachtwächter »Chnutz vom Hopfen«.
Chnutz erzählt von vom Leben und Wohnen im Ort und auf der Ebernburg. In seinem Hauptberuf »Geschichtenerzähler« sind Märchen, Schwänke und Erzählungen aus dem Mittelalter seine Spezialität. Er trägt sie zumeist frei und in seiner eigenen Interpretation vor.
Seine Webseite: www.chnutz.de
Hier unser erstes 7XInterview mit Chnutz vom Hopfen …
1. First of all …
Woher bitte, kommt der Name »Chnutz vom Hopfen« her?
Chnutz, eigentlich »Chnuz«, gesprochen »Kchnuhtz«, ist die althochdeutsche Form meines Vornamens und bedeutet »tolldreist« (also jemand, der angreift, auch wenn er weiß, dass er unterliegt — mutig, aber dumm). Mein Nachname kommt von dem Wort Hopfen, also »vom Hopfen«. Eine Verballhornung meines Geburtsnamens also.
2. Was fasziniert Dich am Mittelalter?
Das es, anders als immer dargestellt, eine Zeit der Erfindungen und des Aufbruches war. Und das große Teile unseres heutigen Lebens noch von Regeln bestimmt werden, die es damals schon gab oder die da eben aufgestellt wurden.
Besonders schön finde ich, dass sich die Menschen damals noch Zeit für die Dinge nehmen konnten. Ob Schmuck, Kathedralen oder Geschichten, alles wurde geduldiger und mit viel Liebe für das Detail produziert.
3. Wenn Du nicht ein Nachtwächter / Geschichtenerzähler wärst,
was wäre dann aus Dir geworden?
Das kann ich nicht sagen, weil ich auf alles neugierig bin, schon vieles gemacht habe und lernen durfte. Auf jeden Fall aber nichts Handwerkliches. Diese Menschen bewundere ich immer wegen dem, was sie mit Metall, Holz oder Stein so anstellen.
4. Wo siehst Du Dich in 5 Jahren?
Ich hoffe neben dem Geschichtenerzählen, was mein Hauptberuf ist, noch ein wenig musikalisch weiterzukommen. Damit habe ich erst spät angefangen. Meine Freunde warnten mich damals, dass Lehrer in der Musikschule der Stadt, wo ich groß wurde, die Schüler zu prügeln pflegten. Deswegen habe ich mich geweigert, dort hinzugehen.
Jetzt hole ich mühsam nach, mir fehlt aber die Zeit. Aber den Anfang habe ich letztes Jahr bei einem Auftritt im Kreuznacher »Dudelsack« schon gemacht. Und ich singe im Jazzchor mit, als Ausgleich zum Mittelalter.
Weiter schaffe ich es nach den Kindertheaterstücken vielleicht auch mal, eines für »Große« zu schreiben.
Ausserdem würde ich gerne eine Commedia dell’arte-Truppe aufmachen.
Habe ich schon erwähnt, das mir Zeit fehlt?
5. Welche 3 Dinge würdest Du auf die „einsame Insel“ mitnehmen?
Insel mit oder ohne Strom?
Mit Strom: Mein kleines Notebook zum Schreiben (endlich Zeit dafür).
Ohne Strom: Eine sechsbändige Gesamtausgabe »Geschichten aus 1001 Nacht«, die ich eben erworben habe. Ich bin erst bei der 26. Nacht. Ich darf nur ein Buch mitnehmen? Dann Dürrenmatts Stück »Die Physiker«. Wollte ich immer schon mal spielen.
In beiden Fällen dazu noch einen Topf zum Kochen und eine Kiste Werkzeug. Ich hoffe, da wächst schon was Essbares auf der Insel und den Rest baue ich mir — vielleicht werde ich dann auch handwerklich geschickter
6. Deine Helden / Vorbilder sind …
Ghandi, Lisa Simpson (Ja, die aus Springfield) und alle anderen wirklichen oder erfundenen Frei– und Querdenker, die sich eigene Gedanken über die Dinge machen, eigene Lösungen suchen und dann friedlich aber bestimmt gegen den Mainstream anrennen.
7. Welche Frage wolltest du schon immer mal beantworten
(+Antwort dazu)?
Es gibt keine Antwort, die mich die gesamte Zeit meines Lebens belastet.
Natürlich gibt es immer wieder hochgestochene Wunschträume, meist politischer Art, aktuell zur Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens oder mehr Bürgerbeteiligung, wo man »natürlich« immer eine tolle Antwort hätte, würde man denn gefragt (»Ja« zu beidem).
Die ganz eigennützige Frage aber, die ich irgendwann gerne mal von jemandem Offiziellen gefragt werden würde:
Frage: »Wo möchtest Du mal beerdigt werden, wenn es so weit ist?«
Antwort: »Da wo meine Führung immer zuende ist: Auf dem alten Friedhof an der Ebernburger Wehrkirche.«
Das denke ich, solange ich den Ort kenne.
Aber ich hoffe, das hat noch viiiiel Zeit.
Vielen Dank Chnutz vom Hopfen, für das 7XInterview.
Schlagwörter: 7x, Chnutz vom Hopfen, Interview, Kreuznach, Persönlichkeiten
Themenbereich: 7x, Interviews
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Artikel gelesen 1385 · Heute 3 · Zuletzt am 23. Februar 2012













am 1. Februar 2011 um 13:48 Uhr
richtig gut — sehr unterhaltsam
)
am 2. Februar 2011 um 21:38 Uhr
Was ein Knaller und ein Superfoto…
Danke & TOP!
am 2. Februar 2011 um 21:41 Uhr
das nenn ich doch mal unterhaltsam, weiter so — ich will mehr!
am 3. Februar 2011 um 13:59 Uhr
Gute Sache, das. Weiter so.
am 4. Februar 2011 um 10:20 Uhr
Sag mal Chnutz, wie hast Du den das Foto gemacht?
Jeden Tag ein Foto … oder was ???