Atelierheft Nr. 6 : Der König der Schwäne

Mit Hämmern ließ der König alle Wappen im Schloss entfer­nen. Ein Maler kam, am selben Tag, der dann einen weißen Schwan nach dem andern über die Türen malte. Das war das neue Wappen des Königs.«

So fängt die Geschichte vom König der Schwäne an, und am Ende sitzt der König im Zelt zwischen Kloster und Braue­rei und ist bemüht, aus Erdnüs­sen Wein zu machen.

Ein echter ! also.

Kurio­si­tä­ten am laufen­den Band begeg­nen dem Leser nun auch im sechs­ten Heft der Roman­se­rie »Atelier­hefte«.

Typisch für den Autor ist die unnach­ahm­li­che Mischung von Reali­tät und Phanta­sie, wobei die Phanta­sie meist die Oberhand gewinnt und sich dann wuchernd ausdehnt. Sie sprudelt aus zahllo­sen Quellen und scheint schier unerschöpf­lich zu sein. Seit Juni 2010 ist nach »Der kopflose Hund«, »Landnahme« »Die Kuh, die die Schoko­lade nicht vertrug«, »Ammer und Groß« sowie »Der Feuer­lö­scher, Aufbruch zum Nordpol« nunmehr das sechste erschie­nen, das Walter Brusius auf den Markt bringt, und noch ist kein Ende abzuse­hen. Weitere Geschich­ten stapeln sich.

Wer sich dem Fluss der Erzähl­weise von Walter Brusius anver­traut, kann immer etwas erleben. Diesmal zitiert der Autor den Leser nach London, man schreibt das Jahr 1211 im August. Wenn wir einfach mal bei Kapital 9 einstei­gen, sehen wir, dass der König der Schwäne von tiefen Sorgen gequält wird, denn immer wieder kommt ein Ritter zu ihm, der eine Braut verlangt. Als König ist er verant­wort­lich, dass genügend Bräute in England zur Verfü­gung stehen. Echt stres­sig.

Für Spaß ist also gesorgt. Aber auch für Spannung. Ein polni­scher Einwan­de­rer, der in London vor großem Publi­kum in der Rüstung der Jungfrau von Orleans auftritt — so erfährt der Leser, der bis Kapital 19 vorge­drun­gen ist -, wird in dem Moment verse­hent­lich erschla­gen, als er den Helm abnimmt. Das haut hin.

Dem Autor Walter Brusius geht es in seinen Geschich­ten vor allem um Persi­flage, in dem vorlie­gen­den Fall um eine ironi­sie­rende Darstel­lung des Histo­ri­en­ro­mans. Das wimmelt nur so von kurio­sen Perso­nen und skurri­len Insze­nie­run­gen. Manch­mal hat man das Gefühl, dass Brusius dabei vor allem an seine Illus­tra­to­ren denkt, denn für sie sind diese Geschich­ten wahre Fundgru­ben an Motiven.

So hat auch Chris­tine Fetz, die den »König der Schwäne« mit dem Zeichen­stift beglei­tete, das abwechs­lungs­rei­che Gesche­hen mit geradezu märchen­haft anmuten­den Bildern verse­hen. Starke Kontu­ren erinnern an alte Holzschnitte, nehmen aber auch den Stil der moder­nen Comics auf. Die 1984 in geborene Zeich­ne­rin, die seit 2007 Design mit Schwer­punkt Illus­tra­tion zunächst an der Fachhoch­schule Münster und zur Zeit an der Academy of Arts and Design in Jerusa­lem studiert, erzählt die Geschichte manch­mal noch ein Stück­chen auf ihre Weise. So soll es sein. Wie bisher sind auch hier die Zeich­nun­gen nicht mit Bildtex­ten verse­hen, eine Zuord­nung bleibt dem Leser überlas­sen.

Heftge­stal­ter Peter Decker hat diese Bilder zusam­men mit kalli­gra­phi­schen Textan­läu­fen aufs Blatt gebracht und so Typogra­phie und Illus­tra­tion optimal verbun­den.

Die Trölen­bergs im Antiqua­riat Taberna Libra­ria, Mannhei­mer Straße 80, überneh­men auch diesmal wieder den Allein­ver­kauf des Heftes.


Mannhei­mer­str. 80
55545 Bad Kreuz­nach
Web: antiquariat-bad-kreuznach.de

© Text mit freundli. Geneh­mi­gung von Fred Lex

Atelierheft Nr. 6 : Der König der Schwäne




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Themenbereich: Kultur, Kunst
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Artikel gelesen 780 · Heute 2 · Zuletzt am 21. Februar 2012
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Zu diesem Beitrag gibt es 2 Kommentare.
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  1. Im Antiqua­riat liegen nur noch einige Exemplare von Heft 2–5 bereit

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  2. […] 13 / Bad Kreuz­nach) eine Ausstel­lung mit anschlie­ßen­der Lesung von Walter Brusius »Atelier­heft Nr. 6 : Der König der Schwäne« im Michel […]

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