Vizeweltmeistertitel für Frank Wilbert beim Gordon-Bennett-Rennen

Frank Wilbert von der Wilber & Sohn Luftfahrt­un­ter­neh­men GmbH ist schon ein Teufels­kerl. Der gebür­tige Warms­ro­ther (bei Bad Kreuz­nach) hat sich schon wieder einen neuen Titel unter den Nagel geris­sen. Frank ist seit dem Jahr 2000 Heißluft­bal­lon­pi­lot. Als er seine Lizenz dazu erwarb, war er der Jüngste deutsch­land­weit, der zum Pilot für den Ballons­port ausge­bil­det wurde!

Mit dem Vizewelt­meis­ter­ti­tel kam er nun von der offizi­el­len Weitfahr­welt­meis­ter­schaft im Gasbal­lon – dem Gordon-Bennett-Rennen — aus Frank­reich zurück.

Frank startete beim härtes­ten Wettbe­werb in der Szene als Co-Pilot im Team Deutsch­land II. Gemein­sam mit Pilot Matthias Zenge aus Thürin­gen begann die Fahrt im franzö­si­schen Gap.

Bei wahrem Bilder­buch­bal­lon­fahrt­wet­ter erleb­ten die beiden Piloten eine wunder­bare Fahrt, unter anderem über die Alpen, den Garda­see und Insbruck. Nach rund 20 Stunden und über 640 Kilome­tern landete Team „Deutsch­land II“ in Piding bei Bad Reichen­hall. Trotz klarem und sonni­gem Wetter stellen derar­tige Weitfahr­ten wahrlich kein Zucker­schle­cken dar – Ausdauer, Aufmerk­sam­keit und takti­sches Geschick sind beim steti­gen Kampf gegen die Müdig­keit harte Voraus­set­zun­gen, viele Stunden hoch über dem Boden im Ballon zu überste­hen.

Wilbert2 640x480 Vizeweltmeistertitel für Frank Wilbert beim Gordon Bennett Rennen

Nachts gegen 0 Uhr durfte das Team an zehnter Stelle von insge­samt zwölf Ballons starten. Die Start­rei­hen­folge losen die Verant­wort­li­chen aus. Den Start­platz im hinte­ren Feld bezeich­net Frank keines Wegs als gut. Denn die erste Hürde war es, erstmal an den anderen Ballons vorbei zu kommen. Bei einer Windge­schwin­dig­keit von durch­schnitt­lich 50 Kilome­tern pro Stunde nicht wirklich leicht.

„Das war uns von Anfang an klar“

erinnert sich Frank. Daher legten die beiden Piloten schon vor dem Start fest, schnell viel Ballast fallen zu lassen um in die schnells­ten Luftschich­ten auf etwa 6000 Metern Höhe zu gelan­gen. Während der gesam­ten Fahrt mussten die Ballon­pi­lo­ten Sauer­stoff­mas­ken tragen.

„In der Höhe geht es ohne nicht mehr“

Eine weitere Prämisse dieser Taktik war die deutli­che Begren­zung der Fahrzeit. Denn ist der als Ballast mitge­führte Sand – etwa 500 Kilogramm in Säcken – mal leer, lässt sich der Gasbal­lon nicht mehr nach oben steuern. Anders als bei Heißluft­bal­lons, die durch Nachhei­zen der Luft oder dem Abküh­len lassen nach oben und unten gesteu­ert werden können, ist dies bei Gasbal­lons nicht möglich. Die prall mit Wasser­stoff befüllte Hülle trägt nach oben, da das Gas leich­ter ist als die Umgebungs­luft. Obwohl der Hüllen­stoff fast gasdicht ist, verliert der Ballon dennoch nach und nach Wasser­stoff, was zum Absin­ken führt. Um gegen­zu­steu­ern wird Gewicht abgewor­fen.

„Ist der Ballast aufge­braucht, ist die Fahrt zu Ende“

weiß Frank.

Dennoch war es für „Deutsch­land II“ die einzige Chance, überhaupt nach Vorn zu kommen, zumal schon klar war, dass in der darauf­fol­gen­den Nacht ein Gewit­ter aufzie­hen wird, in das man es tunlichst vermei­den sollte, hinein zu fahren. Denn schlägt ein Blitz in den mit brenn­ba­rem Wasser­stoff gefüll­ten Ballon ein, verheißt das nichts Gutes.

Wilbert1 640x480 Vizeweltmeistertitel für Frank Wilbert beim Gordon Bennett Rennen

Erst im vergan­ge­nen Jahr kamen beim Gordon-Bennett-Rennen zwei ameri­ka­ni­sche Piloten ums Leben, nachdem sie vom Blitz getrof­fen wurden.

„Das wollten wir natür­lich auf gar keinen Fall“

Auch in der Nacht zu landen, vermie­den die beiden.

„Die Taktik war so ausge­legt, dass wir gegen 20 Uhr landen mussten und bis dahin das best mögli­che Ergeb­nis errei­chen konnten“

Die Strate­gie ging auf, der Ballon passierte schnell nach dem Start das gesamte Teilneh­mer­feld und setzte sich an die Spitze. Nach der Landung um 20 Uhr sah es lange nach dem Weltmeis­ter­ti­tel aus. Entge­gen jeder Vernunft fuhr ein franzö­si­sches Team aber in die Nacht und auch in das Gewit­ter hinein. Erst gegen 3 Uhr setzten die Kontra­hen­ten ihren Ballon wieder auf die Erde – die zurück­ge­legte Distanz von Frank wurde übertrof­fen. Somit konnten sich die Franzo­sen den Weltmeis­ter­ti­tel sichern, brüskier­ten damit aber die Ballon­welt.

„Mit diesem Vorstoß haben sie klar gegen einen Ehren­ko­dex versto­ßen“

bemerkt Frank. Gerade nach dem schlim­men Zwischen­fall vom letzten Jahr hätten sie dies nicht machen dürfen.

Aber Verdruss, den greif­ba­ren Weltmeis­ter­ti­tel auf diese Weise doch nicht gewon­nen zu haben, ist bei Frank keines­wegs zu bemer­ken. Über das geleis­tete und den Vize ist er zu Recht stolz. Freun­din Corinne empfing den Ballon­fah­rer zuhause mit einem Plakat mit der Aufschrift „Sieger der Herzen“ – und so fühlt er sich auch.

Im nächs­ten Jahr wird Frank gemein­sam mit Matthias Zenge wieder beim Griff nach der Krone im Ballons­port angrei­fen – dann in der Schweiz und vielleicht mit dem Weltmeis­ter­ti­tel als Ergeb­nis.

Viel Erfolg !


MEHR ZUM THEMA : Wilber & Sohn Luftfahrt­un­ter­neh­men GmbH

Vizeweltmeistertitel für Frank Wilbert beim Gordon-Bennett-Rennen




Schlagwörter: , , ,
Themenbereich: Allgemein
Artikel-Links: Trackback URL | Permalink
Artikel gelesen 356 · Heute 2 · Zuletzt am 20. Mai 2012
:KOMMENTARE:

Zu diesem Beitrag wurde noch kein Kommentar geschrieben.
Sei der Erste und diskutiere mit anderen Lesern!

Schreibe Deine Meinung!


PS: Diese Avatarbilder, neben dem Kommentator-Namen, kann man ganz einfach und kostenlos bei gravatar.com erstellen und sind dann in jedem Blog verfügbar.

:) :( :-| :-D :-P :roll: :D more »